Ein Gesundheitswesen im Umbruch II

Medizinstudium auf dem Prüfstand

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Teil I: Ein Gesundheitswesen im Umbruch I – Zeitgemäße und zukunftsorientierte Gesundheitsstudiengänge

Die anhaltende globale Finanzkrise beendet die ungebremste Expansion öffentlicher Finanzierung des Krankheitswesens und zwingt auch zu politischen Prioritätensetzungen im Bereich der Hochschul-Entwicklung, der Forschungsförderung und der wissenschaftlichen Qualifizierung von Gesundheitsberufen.

Dinosaurier Universitätsklinikum vs. Supramaximalversorgung aus High-Tech-Laboren

Zur Diskussion steht z.B. die Frage, wozu 32 Universitätsklinika im 21. Jahrhundert noch notwendig sind, wenn die medizinische Forschung sich zunehmend in biotechnische Labore außerhalb der Universitäten zurückzieht und medizinische Einrichtungen der „Supramaximalversorgung” für die Vorbereitung junger Ärztinnen und Ärzte für die Tätigkeit in der praktischen Medizin denkbar ungeeignet sind.

Wer braucht diese Dinosaurier der industriellen Medizin-Epoche im Zeitalter der Informationsmedizin noch? Und wem wird künftig das Privileg der „Supramaximalversorgung” in Deutschland noch zugänglich gemacht?

Wer sich für den Themenkomplex Probleme und Organisationsbemühungen der „Deutschen Hochschulmedizin” interessiert, findet hier einige Webadressen für weiterführende Recherchen und Kontakte (PDF, 16 KB). Es geht bei der Zukunft der Universitätsklinika um Milliarden–Beträge, die in den kommenden Jahren fehlen werden.

Sind die immensen Kosten eines Medizinstudiums angesichts der Ergebnisse noch zu rechtfertigen?

Ein zweiter ungelöster Fragen-Komplex bezieht sich auf die Zukunft der Medizin als einheitlichen beruflichen Handlungszusammenhang.

Die Beschwörung einer einheitlichen „Arzt”-Rolle als Ergebnis des gegenwärtigen Medizinstudiums wird gegenwärtig kaum überzeugend eingelöst.

Mehr als 160 medizinisch wissenschaftliche Fachgesellschaften ringen um Einfluss auf eine umkämpfte Repräsentanz in einem Medizinstudium, das inhaltlich völlig überfrachtet ist und den Weg zu mehr als 40 unterschiedlichen Facharzt-Disziplinen eröffnen soll.

Der Ressourcen-Einsatz ist vergleichsweise zu anderen Universitätsstudiengängen erheblich und häufig vergeudend.

Jeder Studienplatz an der Medizinischen Fakultät kostet 3-4 mal soviel wie andere Hochschul-Studiengänge, ohne dass dieser Aufwand plausibel begründet werden kann.

Mit der Entwicklung eines Nationalen kompetenzorientierten Lernzielkatalogs (NKLM) (PDF, 747 KB) unternimmt der Medizinische Fakultätentag mit der Gesellschaft für medizinische Ausbildung gegenwärtig eine große Anstrengung, eine gemeinsame Vorstellung von den künftigen Kernkompetenzen einer Ärztin/ eines Arztes zu entwickeln und an den Fakultäten verbindlich zu machen.

Am Ende des Medizin-Studiums entscheiden sich gegenwärtig weiterhin weniger als 10 Prozent der AbsolventInnen für eine Weiterbildung zur hausärztlichen Tätigkeit, die für eine patientennahe Versorgung dringend nachgefragt wird.

Unbeantwortet bleibt bisher die Frage, warum in den USA ein Medizin-Studium in 3 bis 4 Jahren absolviert werden kann, in Deutschland dafür aber mindestens 6 Jahre notwendig sind, an die sich noch einmal eine mindestens 5-jährige Weiterbildung anschließen soll, bevor eine eigenständige Berufsausübung möglich wird.

Gemessen daran, dass ein beruflich primärqualizierendes Studium der Physiotherapie gegenwärtig in weniger als vier Jahren absolviert wird, sind bei dem Ziel der Angleichung der akademischen Qualifikationen der Gesundheitsberufe noch erhebliche Unterschiede zu überbrücken.

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